Sternenkinder Homburg

Über den Gesprächskreis

Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe von betroffenen Eltern, die ihr Kind vor, während oder kurz nach der Geburt verloren haben.

Ich, Anika Müller, die Betreiberin dieser Internetseite, habe den Gesprächskreis Sternenkinder Homburg/Saar im Jahr 2007 gegründet. Näheres über mich finden Sie hier.

Leider ist es immer noch so, dass in unserer Gesellschaft nur ungern über Tod geredet wird - und schon gar nicht über tote Kinder - und schon überhaupt nicht über Kinder, die nur sehr kurz gelebt haben oder für die Mitmenschen noch gar nicht sichtbar werden durften. Es ist sehr befremdlich für viele Leute, dass der Tod schon im Mutterleib kommen kann oder gleich am Anfang des Lebens. Die meisten sind deshalb sprachlos - sprachlos gegenüber dieser Unmöglichkeit. Sie können leider oft nicht helfen, oder helfen sogar so, dass sie den Eltern eher schaden als nützen - z.B. mit gutgemeinten Ratschlägen, die aber wirklich eher "Schläge" sind (Spitzenreiter: "Ihr seid ja noch jung, ihr könnt noch viele Kinder kriegen!").

Wegen diesem Unverständnis hören viele Eltern auf, über ihr totes Kind zu reden. Das "Nicht-darüber-Reden" kann den Trauerweg aber unnötig schwer machen.

Der Gesprächskreis Sternenkinder möchte da helfen. Wir bieten eine geschützte Atmosphäre, in der wir unter Gleichbetroffenen über unsere Kinder, Gefühle und Erlebnisse reden können. Wir haben alle ähnliches erlebt und sind uns zumindest in einem Punkt ganz gleich: Wir haben ein Kind verloren und fühlen schrecklichen Schmerz. Diesen kann wirklich nur jemand nachvollziehen, der ihn selbst erlebt hat. Da jeder ein wenig unterschiedlich mit der Trauer umgeht und auch die Zeitpunkte des Verlustes unterschiedlich sind (von ganz frisch betroffen bis zu mehreren Jahren her), ist es durch die unterschiedlichen Sichtweisen der einzelnen möglich, dort Unterstützung zu erfahren, wo man sie gerade braucht.


Wie läuft so ein Gesprächsabend ab?

Das oberste Gebot: ES SOLL EUCH GUT TUN!

Die Treffen sind zwanglose Zusammenkünfte, in denen jeder erzählen kann, was ihn/sie gerade besonders beschäftigt. Es besteht weder Redezwang noch Anwesenheitspflicht. Jeder soll solange kommen, wie es gut tut und jeder hat natürlich auch die Freiheit zu sagen, dass es im Moment nicht gut tut. Da ist keinerlei Wertung mit verbunden. Oft empfinden vor allem die frisch betroffenen Eltern die ersten Treffen als sehr anstrengend. Wenn die ganz akute Trauer abgeklungen ist, wird der  Kontakt zu anderen betroffenen Eltern aber als sehr positiv empfunden.

Diese Art der Trauerbewältigung ist sicher nicht für alle Eltern etwas, aber ich würde den Rat geben, doch mal 2-3 Mal vorbeizuschauen und euch dann erst zu entscheiden, ob ihr weiter kommen wollt oder nicht. Manchmal ist auch einfach nur der Zeitpunkt verkehrt. Es wäre schade, wenn ihr es nicht mal ausprobiert hättet. Denn ich finde, trauernde Eltern dürfen jedes Hilfsangebot ausprobieren, das sie in ihrer schrecklichen Lage kriegen können! Es tut immer gut, wenn man Hilfe erhält.

Unser Gesprächskreis wird ehrenamtlich von der ausgebildeten Trauerbegleiterin Ursula Schulte begleitet. Näheres zu ihr findet ihr hier.


Grundsätzliches:

Selbstverständlich besteht über alles, was in der Gruppe beredet wurde, Schweigepflicht nach außen hin! Es wäre auch schön, wenn wir, nachdem die Sitzung beendet ist, nicht mehr über die anderen nicht anwesenden Mitglieder reden würden – meist geschieht dies jedoch in der Absicht, zu helfen und deshalb würde ich mich nicht völlig dagegen aussprechen – solange es ausschließlich diesem Zweck dient!

Es gibt kein schlimm, schlimmer, am schlimmsten! Alles, was wir erfahren haben, ist auf seine Weise schrecklich – und mit Sicherheit das Schrecklichste, das jedem einzelnen widerfahren ist. Ich möchte nicht, dass sich z.B. eine Mutter zusätzlich verletzt fühlt, die ihr Kind sehr früh verloren hat, nur weil dies von anderen als nicht so schlimm erfahren wurde. Wie sehr jeder trauert ist ganz individuell – jeder in dem Maß, wie er eben empfindet!

Jeder darf offen reden - über seine Meinung, über seine Gefühle. Niemand wertet den anderen. Jeder sollte nur beachten, dass er niemanden dadurch verletzt. Um Missverständnisse bei sensiblen Themen zu vermeiden, sollte jeder zunächst das Gesagte in eigenen Worten zusammenfassen und dann seine Frage stellen.

Jeder darf schweigen, wenn er möchte. Auch hier wertet niemand den andern.

Wir schlagen als Anredeform das „Du“ vor. Der möchte kann anonym bleiben und nur seinen Vornamen nennen.

Es wäre nett, wenn jemand nicht mehr kommen möchte, wenn er das einem von uns mitteilt. Es soll kein Zwang bestehen und jeder kann einfach ausprobieren, ob ihm die Gruppenabende helfen – aber durch die Abmeldung wissen wir wenigstens, ob alles OK ist!


Ablauf des Abends:

Wenn alle eingetroffen, beginnen wir mit einem so genannten „Blitzlicht“.

1.Blitzlicht am Anfang:

das bedeutet, dass jeder

a.sich kurz mit Vornamen, Zeitpunkt des Verlustes, Namen der Kinder vorstellt (wenn neue Mitglieder anwesend sind) – Beispiel: Ich heiße Anika, ich habe meine Tochter Elisabeth im Oktober 2004 in der 20.SSW verloren

b.kurz sagt, wie es ihm seit dem letzten Treffen ergangen ist und wie er sich jetzt gerade fühlt – Beispiel: Ich habe lange über die Geschichte von N.N: nachdenken müssen, die mich sehr berührt hat – im Moment fühle ich mich gut, aber ein wenig angespannt wegen der vielen neuen Gesichter

c.kurz sagt, ob er heute über etwas Bestimmtes sprechen will, das ihm sehr wichtig ist – Beispiel: Ich habe ein Programm erarbeitet, das ich gerne mit euch besprechen will – ich möchte über meine Gefühle mit der Arbeit mit dem Krankenhaus berichten

Bei einem Blitzlicht wird alles in max. 2-3 Minuten erzählt, niemand kommentiert oder unterbricht den anderen!

Wie überall, hat jeder die Freiheit auf eine Äußerung zu verzichten (doch zumindest der Name sollte genannt werden)

2.Was uns auf den Herzen liegt:

Nach dem Blitzlicht überlegen wir gemeinsam, welche Themen wir besprechen wollen – aber meistens ergibt sich spontan ein Thema.

3.Blitzlicht am Ende:

a.Wie fühle ich mich jetzt?

b.Was habe ich während des Treffens empfunden?

c.Worüber hätte ich noch gerne gesprochen?

d.Möchte ich zum Schluss noch etwas sagen?

Auch diese Antworten werden weder kommentiert noch diskutiert – selbstverständlich kann man auch schweigen! Damit ist das offizielle Treffen beendet.

4.Arbeit für andere wie uns

Wir sind auch im Krankenhaus aktiv – es gibt da immer mal wieder was zu tun, zu organisieren, zu überlegen, zu basteln. Wer dabei helfen möchte, der ist herzlich eingeladen!