Sternenkinder Homburg

Seelsorger

Liebe Seelsorger und Seelsorgerinnen!

Auch Ihnen möchte ich einen gesonderten Platz einräumen - denn auch Sie begleiten Elternn, die ihr Kind vor, während oder kurz nach der Geburt verloren hat. Vielleicht in der Klinik, vielleicht stehen Sie aber auch vor der schwierigen Frage, wie Sie eine Beerdigung für so ein kleines Kind gestalten sollen - vor allem, wenn die Eltern sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschlossen hatten.

Ich stelle hier einen Brief ein, den ich einem sehr engagierten Pfarrer geschickt hatte, der mich dabei um Hilfe bat:

 

Lieber Herr Pfarrer,

wie Sie vielleicht wissen, habe auch ich meine Tochter im 5. Monat abgetrieben, weil sie eine sehr grosse Bauchspalte hatte und nicht überlebt hätte. Ich liebe meine Tochter aber immer noch und es war eine Entscheidung, die ich aus Liebe getroffen habe (und noch immer mit Schuldgefühlen ertrage). Ich denke, bei den allermeisten Eltern mit medizinisch-indizierten Abbruch ist dies der Fall. Deshalb passt in jeder Hinsicht auch alles, was sie bei einer "normalen" Kinderbeerdigung verwenden können. Je "normaler" alles ist (also dass nicht speziell auf den Abbruch eingegangen wird, sondern die Trauer um das Kind im Vordergrund steht), desto leichter wird es das Paar empfinden. Schwierig ist besonders die Tatsache, dass die Eltern (wie auch ich) ihr Kind nicht kennen lernen durften.

Vielleicht mögen Sie sich mit dem Paar absprechen, ob sie vielleicht gerne ein bestimmtes Lied (z.B. Und wenn ein Lied von Xavier Naidoo oder Tears in heaven von Eric Clapton) haben möchten oder ein bestimmtes Ritual durchführen möchten (beliebt bei Eltern ist das "Los-Lass-Ritual" mit Luftballons steigen lassen oder auch eine Kerze anzünden). Ein besonders schönes kirchliches Lied finde ich das Lied "Ins Wasser fällt ein Stein" - denn - das werden die Eltern auch noch sehen - es ist nicht so, dass ihr Kind "weg" ist. Und meine eigene noch so kleine Tochter hat sehr weite Kreise gezogen ...

Ich denke auch, es ist immer gut, von Liebe zu reden. Jede Trauer ist Liebe und es gibt doch auch den biblischen Spruch "Und stark wie der Tod ist die Liebe" - ich sage: die Liebe ist stärker als der Tod, denn wir empfinden sie noch, obwohl der Mensch, dem sie gilt, nicht mehr lebt. Es ist eine völlig bedingungslose Liebe und ist deshalb auch die reinste Liebe - und mein Problem am Anfang der Trauerzeit war weniger, dass mein Herz verkümmert wäre ob des Schmerzes der Trauer, sondern viel mehr, dass es fast geplatzt ist vor Liebe für mein kleines Kind, das nicht leben durfte. Und gerade bei der Entscheidung um Leben und Tod des Kindes ist es so wichtig, dass den Eltern auch von aussen zugestanden wird, dass sie ihr Kind sehr lieben und dass sie ein Recht haben, zu trauern.

Und dann hilft natürlich alles, was den Tod nicht so entgültig macht - die Hoffnung auf ein Wiedersehen und die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod. Ich glaube ohne diese Hoffnung im Hintergrund hätte ich die Trauerzeit damals nicht überstanden. Ich bin leider nicht klerisch bewandert, ich weiss nicht, was sie brauchen um ein "Beerdigungsprogramm" zu schreiben - ich hoffe Ihnen trotzdem ein bisschen helfen zu können.

Bei der Beerdigung meiner Tochter hat die Pfarrerin etwas aus den "Irischen Segenswünschen" vorgetragen - leider kann ich mich an nicht sehr viel erinnern. Und sie hatte zwei herzförmige Specksteine (z.B. Eine-Welt-Laden) dabei - einer ist mit meiner Tochter beerdigt worden und einen habe ich in die Hand bekommen. Dieser Stein war sehr tröstlich für mich - wie wenn ich etwas von meiner Tochter immer bei mir tragen kann - und das tat ich am Anfang auch. Ausserdem habe ich noch eine besondere Kerze für sie angesteckt. Was ich sehr bedauert habe, ist, dass ich keine Totenanzeige aufgegeben habe ... ich hatte in dem Moment keine Kraft und dann ist es ja auch für so ein kleines Kind nicht "normal" - aber das bedauere ich noch heute, weil man so der Welt auch sagt, dass dieser Mensch sehr wichtig für einen ist. Vielleicht fragen Sie die Elternmal danach.

Auf meiner Homepage in der Rubrik Bestattung sind noch ein paar Tipps, Gedichte (s.u.: diese 3 fände ich auch passend für eine Beerdigung) und Geschichten (besonders passend fände ich eine gekürzte Version der "Geschichte vom Trauerkind", da sie auch gleichzeitig erklärt, wie die Trauerphasen ablaufen - und dann auch Hoffnung gibt, dass der Schmerz auf ein erträgliches Maß sinken wird).

Wenn Sie den Eltern etwas schenken möchten, ist das Erinnerungsalbum von Heike Wolter ( ... und wenn Du Dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben) sehr zu empfehlen - allerdings leider auch nicht ganz billig, aber vielleicht auch ine Anregung für andere Angehörige.

Es gibt von der Initiative Regenbogen eine Infobroschüre speziell für Seelsorger, die sie bestellen können: Link: www.initiative-regenbogen.de, unter der Rubrik Bestellung mit der Bestellnummer 204 (Möglichkeiten der seelsorgerl. Betreuung) für 2,50€ - wenns schnell gehen soll, kann vllt. Frau Severitt unter Tel 05565 - 911 91 13 helfen.

Ansonsten kann ich Ihnen noch die Telefonnummer von der Pfarrerin nbieten, die meine Tochter damals bestattet hat oder eines Klinikseelsorgers hier in Homburg, der Erfahrungen mit der Bestattung von Säuglingen hat bzw. die die Gemeinschaftliche Bestattung der kleinsten Kinder gestalten - oder Sie wenden sich an Bruder Klaus Schäfer, der sehr engagiert ist und auch ein Buch zu diesem Thema herausbringen möchte (Klaus Schäfer, Kloster Bruchsal, Tel. 0721-81083521, HP: www.stillgeburt.de).

Ich finde Ihr Engagement toll! Es tut mir auch heute noch immer gut, wenn die ganz kleinen verstorbenen Kinder (und ihre Eltern) als wichtig angesehen werden - wo doch die Umwelt noch immer wenig Verständnis aufbringt, vor allem auch für die Trauer der Eltern.

Herzliche Grüsse,

Anika Müller

P.S.: Hier die Gedichte:


Du warst ein Kind der Hoffnung,
unsere Liebe um hüllte dich,
unsere Fantasie schmückte dein Leben aus.

Du warst ein Kind der Freude.
Wie eine Blüte ging unser Herz auf,
denn wir erwarteten dich voller Sehnsucht.

Du warst ein Kind des Lebens.
Wir wollten Leben weitergeben
und uns selbst beschenken lassen.

Du bleibst unser Kind.
du bist ein Kind der Sehnsucht,
das zu einem Kind der Trauer wurde.

Du hast sie nicht gesehen,
den Sonnenglanz und die Mondsichel.
Du hast nicht in unsere leuchtenden Augen geschaut.

Nun aber siehst du das Licht,
das strahlende, wärmende Licht
der Liebe Gottes.
auch du wohnst im Hause Gottes,
wo viele Wohnungen sind.

Du bist gesegnet
du Kind der Hoffnung, der Freude
und des Lebens.
Und mit dir ist gesegnet
unsere Trauer um dich,
du Kind bei Gott.

aus "Segen strömt aus der Mitte" von Hanna Strack

 

ähnlich wie das von Fr. Strack:

Mein Sternenkind

Du bist ein Kind der Freude und der Sehnsucht
das zu einem Kind der Trauer wurde
Du hast sie nicht gesehen
den Sonnenglanz und die Mondsichel
hast nie in unsere glänzenden Augen geschaut

Nun aber siehst Du das Licht
Du bist gesegnet
Du Kind der Hoffnung
Der Freude und der Liebe
Und mit Dir ist gesegnet
Meine Trauer um Dich!

unbekannt


Auf den Tod eines Kindes


Du kamst, du gingst mit leiser Spur,
Ein flüchtger Gast im Erdenland;
Woher? wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.

Ludwig Uhland