Sternenkinder Homburg

Wie sieht mein Kind aus?

Die meisten Eltern haben große Angst davor, wie ihr totes Kind aussehen wird.
Meist fragen sie sich schon lange bevor es geboren wird, ob sie es anschauen wollen oder lieber doch nicht.  Sie haben Angst, vom Aussehen des geliebten toten Kindes abgestoßen zu sein. Und welches liebende Elternteil könnte sich dies verzeihen! Manch eine Mutter und manch ein Vater wird sich vielleicht denken, dass er lieber das fiktive Bild seines Kindes im Kopf behalten möchte, als von der Wirklichkeit erschreckt zu werden. Nicht wenige Eltern bekommen bestimmt von ihrer (älteren) Verwandtschaft zu hören, dass man sich "das" doch nicht anschauen kann!

Liebe Eltern,

ich möchte mein Wort direkt an sie wenden: Es ist völlig natürlich, diese Ängste zu haben – auch ich selbst hatte sie und wusste bis kurz nach der Geburt nicht, ob ich meine Tochter, die erst 20 Wochen wachsen konnte und eine große Fehlbildung hatte, überhaupt sehen will. Aber als sie geboren war, wusste ich, dass ich nicht würde gehen wollen, ohne sie gehalten zu haben und verlangte sie sofort. Ich habe dies nie bereut, im Gegenteil, ich hätte es bereut, hätte ich sie NICHT gesehen! Es gibt nur diese eine Möglichkeit.

Ich war vollkommen fasziniert von ihr, auch wenn sie natürlich ein unfertiger kleiner Mensch war und wenig Ähnlichkeit mit einem Baby hatte – der ganze Speck fehlte ja noch! Sie war etwas länger als meine Hand und rot. Die rote Farbe kam daher, dass ihre Haut ja noch sehr dünn und durchscheinend war. Trotzdem konnten mein Mann und ich nicht umhin festzustellen, dass sie die Nase und den Mund meines Mannes hatte … und Handlinien in der winzigen Hand und klitzekleine Fingernägel! Ich hätte so gerne ihre Augen gesehen, aber die Lider hatten sich noch nicht geöffnet. Die schwere Fehlbildung hat mich überhaupt nicht interessiert und hätte ich nicht Bilder davon, ich könnte mich nicht mehr daran erinnern, weil sie so unwichtig war.
Es ist tatsächlich so, die Augen der Liebe sehen anders und behalten das Schöne im Blick, während das andere in den Hintergrund tritt. Ich persönlich kenne niemanden, der es bereut hat, sein Kind gesehen zu haben.

Eines weiß ich aber sicher: Ich hätte es mir nur schwer verziehen, Elisabeth NICHT angesehen zu haben. Schließlich ist sie mein Kind. Ich bin mir ebenfalls sicher, dass das alptraumhafte Gefühl in meiner Trauerzeit sich noch verstärkt hätte, wenn ich nicht meinen persönlichen Abschied von ihr genommen hätte. Ich habe sie gesehen, ich habe gesehen, dass sie da war und nun tot ist. Es ist nicht, als wäre sie nie dagewesen. Sie war da in meinem Bauch und nun ist sie fort und mein Bauch leer. Ich glaube dies seelisch zu begreifen fällt viel leichter, wenn die Eltern ihr Kind sehen können. Ich rate es jedem!

Aber: Wenn Sie es nicht übers Herz bringen, nach Ihrem kind zu sehen, ist das auch vollkommen in Ordnung. Jeder verarbeitet seine Trauer so, wie sie am besten verkraftet wird. Vielleicht ist es wirklich zuviel für Sie in dem Moment. In dem Fall würde ich Ihnen raten, einen anderen lieben Mneshcen zu bitten Ihr Kind anzusehen und Bilder zu machen. Wenn Sie die Schwwestern oder die Hebamme danach fragen, wird Sie das auch für Sie übernehmen. Vielleicht können Sie sich Ihr Kind von jemand beschreiben lassen und entscheiden sich dann doch noch einmal anders. Sie haben genügend Zeit dazu! Ich begleite Sie gern, wenn Sie in der Frauenklinik Homburg/Saar liegen - hier sind meine Kontaktdaten.
In meiner Zeit als trauernde Mutter und auch im Gesprächskreis habe ich schon viele tote Kinder gesehen. Kein Anblick hat mich je entsetzt oder abgeschreckt – es sind die geliebten Kinder, die nicht leben durften, ja oft nicht einmal fertig wachsen durften. Sie rühren mein Herz und am liebsten würde ich jedes von ihnen im Arm gehalten haben …

Meine Tochter Elisabeth - 20 Schwangerschaftswochen alt