Sternenkinder Homburg

Späte Fehlgeburt und Totgeburt

Wenn Ihr Kind nach der 13. Schwangerschaftswoche im Bauch verstorben ist oder Sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben, wird versucht, mit wehenfördernden Medikamenten eine "normale" Geburt einzuleiten. Dazu müssen Sie in ein Krankenhaus. Sie müssen aber meist nicht sofort ins Krankenhaus! Überlegen Sie für sich und zusammen mit Ihrer Hebamme/Ihrem Frauenarzt, wie sie als nächstes vorgehen möchten.

Ich würde Ihnen raten: Gehen Sie noch einmal nach Hause, lassen Sie den Schock abklingen und horchen Sie in Ihr Herz. Nehmen Sie innerlich Abschied! Ich glaube, dass das Abschiednehmen VOR der Geburt FÜR den Geburtsvorgang sehr hilfreich sein kann. Wenn die Mutter mit ihrem Körper zu tun hat, kann sie sich nur schwer auf diesen seelischen Teil des Abschiednehmens einlassen ... die Mutter muss bereit sein, Ihr Kind gehen zu lassen.

Wenn die Wehenmittel wirken, wird Ihr Kind auf natürlichem Wege geboren, Sie können es ansehen, halten und so Ihren persönlichen Abschied nehmen. Ich persönlich fand die Geburt als den für mich richtigen Weg - auch wenn Sie sehr strapaziös war, würde ich es noch einmal so machen.

Manchmal jedoch wirken die Wehenmittel nicht. Dann wird unter Narkose das Kind entweder durch den gedehnten Muttermund auf die Welt geholt oder ein Kaiserschnitt gemacht. Vor allem der Kaiserschnitt ist aber eine sehr viel grössere körperliche Belastung und hinterlässt eine Narbe in der Gebärmutter, die bei folgenden Schwangerschaften (auch wenn Sie jetzt noch nicht daran denken) zu Komplikationen führen kann. Auch ich wollte einen Kaiserschnitt - bin nun aber doch froh, doch keinen gehabt zu haben.

Die folgenden Tipps können Euch in dieser schwierigen Situation eine Entscheidungshilfe sein:


Begrüßen und Abschied nehmen

Das Allerwichtigste: Lassen Sie sich bei allem die Zeit, die sie brauchen! Überstürzen Sie nichts!

Leider sind nicht immer alle Ratschläge umsetzbar – fragen Sie bitte eine Pflegekraft oder Ärztin!

Sie können Ihren Partner mit aufnehmen lassen!

Wenn Sie schon über der 24. Woche sind, werden Sie im Kreissaal entbinden und zur Betreuung eine Hebamme haben.
Wenn Sie noch nicht die 24. Woche erreicht haben, wird die Geburt im Krankenzimmer eingeleitet. Nur wenn Sie eine PDA brauchen, werden Sie in den Kreisssal gebracht.und von Hebammen betreut. Es besteht aber trotzdem die Möglichkeit, mit einer Hebamme zu sprechen!

Keine Scheu die Klinikseelsorge zu rufen! Fragen Sie die Schwetsern - es gibt auch einen Notdienst fürs Wochenende!

Haben Sie schon einen Namen für Ihr Kind? Geben Sie Ihren Wunschnamen!

Wir raten: Schauen Sie Ihr Kind an, berühren Sie es, nehmen Sie es auf den Arm/in die Hände! Alleine, in Ruhe und ohne Zeitdruck. Auch bei Fehlbildungen keine Angst, sie sehen mit den Augen der Liebe, die Fehlbildung ist nicht wichtig. Die Erfahrung zeigt, dass alle Eltern froh waren, Ihr Kind gesehen zu haben! Lassen Sie auch Ihre Familie Abschied nehmen!
Die meisten Eltern haben vor diesem Augenblick Angst - ich hatte auch Angst. Lesen Sie hier, wie ich Ihnen die Angst vielleicht nehmen kann.

Schaffen Sie sich Erinnerungen so viele Sie kriegen können – jede einzelne ist später ein kostbarer Schatz!

  • Fragen Sie nach einem letzten Ultraschallbildausdruck!
  • Viele Fotos machen – auch mit Mama, Papa, Geschwister, Händen, Füßen. Es gibt auf den Stationen Digital-Kameras – evtl. die Hebammen fragen, die machen auch Bilder für euch! Wenn die Bilder auf Station gemacht wurden, werden sie in der Klinikseelsorge archiviert und können auch später noch abgeholt werden.
  • Hand-, Fußabdruck und evtl. Haarlocke
  • Namensbändchen
  • Namenskarte mit Größe, Gewicht, Geburtszeit
  • Vielleicht möchten Sie Ihrem Kind ein kleines Geschenk mitgeben wie Blume, Brief, Bild
Grössere Kinder können evtl. auch gebadet werden - fragen Sie eine Hebamme!

Möchten Sie Ihr Kind anziehen? Sie können gerne ihre eigenen Kleidungsstücke mitbringen. Für die ganz kleinen Kinder gibt es auf der Station oder bei den Hebammen Kleider aus denen Sie sich welche für ihr Kind auswählen können! Fragen Sie nach!

Sie können Ihr Kind taufen/segnen lassen – vom Klinikseelsorger oder vom Geistlichen Ihrer Wahl!

Wenn Sie Ihr Kind am nächsten Tag noch mal sehen wollen, teilen Sie dies dem Klinikpersonal rechtzeitig mit! Normalerweise werden die Kinder auf darauffolgenden Morgen von der Pathologie abgeholt - wo alle Leichen hinkommen.

Ihr behandelnder Arzt informiert Sie ausgiebig darüber, welche Erkenntnisse eine Obduktion bringen kann – sollten Sie dennoch keine Obduktion wünschen, müssen Sie dies der Klinik innerhalb 12 Stunden mitteilen!

Überlegen Sie sich, wie Sie ihr Baby bestatten möchten. Dies ist hier in allen Fällen unabhängig von der SSW möglich! Es gibt hierzu ein Infoblatt der Klinik, das Sie bekommen haben sollten. Näheres zur Bestattung finden Sie hier.

Sie können einen Sarg selbst gestalten!

Bei Fragen und Problemen können Sie sich euch jederzeit an die Klinikseelsorge oder an den Gesprächskreis Sternenkinder wenden!


Nachsorge durch eine Hebamme

Nach einer Totgeburt (Kinder über 500g) haben Sie einen Anspruch auf Nachsorge durch eine Hebamme, genau wie bei einem lebend geborenen Kind. Dieses Recht haben Sie ebenso bei einer Fehlgeburt (Kind unter 500g), NICHT ABER, wenn Sie Ihr Kind durch einen Schwangerschaftsabbruch verloren haben! Die Hebammen wollen dies ändern lassen, aber soweit ich weiß, ist das noch nicht durch.Schaut auch mal hier .

Informationen und Beratungsstelle bei Fehlgeburt/Frühgeburt

www.saling-institut.de