Sternenkinder Homburg

Obduktion

Das Thema Obduktion (pathologische Untersuchung einer Leiche) ist ein sehr emotionales - obwohl es eigentlich um das rationale Erfassen der Todesursache geht.

Ich wollte damals auf keinen Fall eine Obduktion meiner Tochter Elisabeth - aber es war ja auch offensichtlich, warum sie sterben musste. Ich fühlte nur als Mutter - ich wollte nicht, dass dem kleinen Körper noch "etwas angetan" würde, ich wollte, dass ihr kleiner Körper unangetastet bliebe, unversehrt auch im Tod. Ich glaube diesen Gedanken haben viele Eltern. Ja, vor dem Gespräch mit einem Kinderarzt war ich vehemente Obduktionsgegnerin, befürchtete sogar, dass Obduktionen auch gegen das Einverständnis (oder das nicht eingeholte Einverständnis) der Eltern durchgeführt würden. Meine Meinung sollte sich wandeln.

Jedes Elternteil sollte für sich überlegen, ob es genau wissen möchte, woran das Kind gestorben ist. Es kann eine enorme Erleichterung sein, das zu wissen. So kann man Selbstvorwürfen, die nie ausbleiben, logisch entgegen treten. Ausserdem kann natürlich das Ergebnis einer Obduktion auch für ein später heranwachsendes Geschwisterkind von Bedeutung sein. Und - mit jedem nicht untersuchten Kind gehen wertvolle Informationen verloren - sowohl für die Ärzte, als auch für die Eltern, als auch für andere kranke Kinder! Ich glaube, eine Obduktion wird auch vielfach abgelehnt, weil die Eltern im ersten Moment unter Schock stehen und die oben beschriebenen elterlichen Gefühle zum Tragen kommen - wir wollen unser Kind auch nach dem Tode schützen ... aber leider tauchen später dann oft Fragen auf, die nun nicht mehr beantwortet werden können. Mit den fragenden Eltern sind dann die Kinderärzte konfrontiert, können nun aber zu ihrem eigenen Bedauern den Eltern keine Antworten mehr geben.

Die rechtliche Lage im Saarland:

Wird einer Obduktion nicht binnen 12 Stunden widersprochen, so geht der Gesetzgeber davon aus, dass die Obduktion gewünscht ist!

Dies bedeutet: Wenn die Eltern gefragt werden, ob sie eine Obduktion wünschen und dann nicht eindeutig widersprechen, kann ihr Kind nach 12 Stunden auch ohne ihre ausdrückliche Einwilligung obduziert werden (s.u.). Praktisch wird dies aber an der Uniklinik in Homburg niemals so gehandhabt, wie mir ein Kinderarzt versicherte. Ohne ausdrückliches Einverständnis der Eltern wird keine Obduktion angeordnet. Trotzdem ist es gut, dass man um diese Frist weiss. Das ist die gesetzliche Regelung im Saarland - in anderen Bundesländern gibt es andere Regelungen!

Bei unklarer Todesursache würde ich mittlerweile jedem Elternpaar eher zu einer Obduktion raten. Lasst euch gut beraten, wie eine Obduktion abläuft, wie lange diese dauert, wie das Kind nachher aussieht, ob man es noch anschauen kann, ob Organe zurückbehalten werden (auf die ihr kein Bestattungsrecht habt)  - redet vielleicht mit dem obduzierenden Arzt selbst, um zu sehen, dass euer Kind in guten Händen ist. Und entscheidet erst dann! Ihr müsst diese Entscheidung noch nicht am Todestag selbst treffen, ein wenig Zeit ist schon (Ich glaube bis zu 7 Tagen - aber ohne Gewähr!).

Lasst euch auf jeden Fall genug Zeit, um euch vorher von eurem Kind zu verabschieden!

Anika Müller

Wenn ich hier etwas falsch beschrieben haben sollte, wäre ich dankbar um Rückmeldung an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Allgemeine Vertragsbedingungen (AVB)
des
UNIVERSITÄTSKLINIKUMS DES SAARLANDES


§ 14
Obduktion
(1) Die innere Leichenschau einschließlich der erforderlichen
Untersuchungen ist Teil der Qualitätssicherung und dient der
Überprüfung ärztlichen Handelns im Hinblick auf Diagnose,
Therapie und Todesursache, der Lehre und der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, der Epidemiologie, der medizinischen Forschung
sowie Begutachtung.
(2) Die Obduktion ist zulässig, wenn der verstorbene Patient schriftlich
in die Obduktion eingewilligt hat. Ist ein entgegenstehender Wille
des Verstorbenen nicht bekannt, ist die Obduktion zulässig, wenn
seine jeweils nächsten Angehörigen im Sinne des Abs. 3 schriftlich
eingewilligt haben oder nach dokumentierter Information über die
beabsichtigte Obduktion und die Folgen einer nicht durchgeführten
Obduktion kein Widerspruch eines Angehörigen gemäß abs. 3
innerhalb von 12 Tagesstunden erfolgt. Maßgeblich sind nur
Tagesstunden zwischen 7 und 22 Uhr. Bei mehreren Angehörigen
genügt es, wenn einer von ihnen beteiligt wird und ein Entscheidung
trifft, es ist jedoch der Widerspruch eines jeden von ihnen
beachtlich.
(3) Nächste Angehörige des Verstorbenen in Sinne des Abs. 2 sind in
der Rangfolge ihrer Aufzählung die Ehegattin, der Ehegatte, die
eingetragene Lebenspartnerin, der eingetragene Lebenspartner, die
Partnerin/ der Partner mit der / dem die / der Verstorbene in einer
auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft gelebt
hat, die volljährigen Kinder, die Eltern, die volljährigen Geschwister,
volljährige Enkelkinder sowie die Großeltern.
(4) Eine Obduktion ist durchzuführen, soweit diese von der zuständigen
Behörde aufgrund gesetzlicher Ermächtigung angeordnet wird.
(5) Die Obduktion ist unter Beachtung der Ehrfurcht vor dem toten
Menschen vorzunehmen und auf den notwendigen Umfang zu
beschränken.

§ 21
Inkrafttreten
Diese Allgemeinen Vertragsbedingungen (AVB) treten am
01. April 2008
in Kraft. Gleichzeitig werden die Allgemeinen Vertragsbedingungen (AVB)
vom 01. Januar 2003 aufgehoben.
Homburg/Saar den 01. April 2008
Der Vorstand


Link: Allgemeine Vertragsbedingungen (AVB) des UNIVERSITÄTSKLINIKUMS DES SAARLANDES

 

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